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Sehnsucht nach echter Verbundenheit

Wer möchte ich sein und wer bin ich?

Auch Eltern haben Bedürfnisse

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Ratgeber für psychische Gesundheit und Psychotherapie

Die erste und somit prägendste Bindungserfahrung macht ein jeder Mensch mit seinen engsten frühen Bezugspersonen - meist Mutter und/oder Vater. 

 

Je nachdem wie die Bezugsperson auf die Bedürfnisse des Kindes reagiert und mit ihm interagiert, bildet sich im Laufe der Zeit bei dem Kind ein Bindungsstil heraus. 

 

Können die Bezugspersonen sich gut auf das Kind einstimmen, das bedeutet, dass sie dem Kind durch das Erfüllen seiner Bedürfnisse und der eigenen emotionalen Präsenz ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln, dann wird das Kind einen sicheren Bindungsstil entwickeln und seiner Umwelt mit einem Grundvertrauen begegnen.

 

Verläuft diese Einstimmung zwischen Eltern/engen Bezugspersonen und Kind nicht so optimal, dann entwickelt das Kind einen unsicheren Bindungsstil. 

Dabei gibt es verschiedene unsichere Bindungsstile, je nach Interaktionsmuster zwischen Erwachsenem und Kind. 

 

Tendentiell gilt: Je weniger emotional erreichbar die Bezugsperson für das Baby/Kleinkind ist, je unvorhersehbarer sie auf das Kind reagiert und je weniger seine Bedürfnisse richtig gelesen interpretiert werden, desto unsicherer wird das Kind in Bezug auf die Bindung zum Elternteil und auch zu seiner Umwelt. 

Es erlebt sich nicht als bedingungslos angenommen, sondern scannt permanent das Verhalten seiner Bindungsperson, um sich daran anzupassen. 

Das ist eine wichtige Überlebensreaktion des Kindes, da es in direkter Abhängigkeit zu seinen engen Bezugspersonen steht.

 

Dabei ist es wichtig zu berücksichtigen, dass die Eltern aus eigener Prägung heraus handeln und es hierbei nicht um Schuldzuweisung geht. 

Nicht perfekte, sondern ausreichend sichere Beziehungserfahrungen sind entscheidend.

 

Das Verhalten des Kindes kann sich in zwei Richtungen entwickeln: entweder das Kind maximiert die Bindung indem es an der Bezugsperson klammert, um die Bindung zu erhalten oder es minimiert die Bindung indem es sich emotional zurückzieht und versucht möglichst unabhängig zu wirken.

 

Stellt die Bezugsperson zugleich eine Bedrohung für das Kind dar, dann kann ein desorganisierter Bindungsstil auftreten. Das bedeutet, dass sich ein ambivalentes Verhalten zeigt: die Bindungssuche und die Bindungsvermeidung wechseln sich ab. 

 

Diese Anpassungsmuster können Auswirkungen auf spätere Beziehungserfahrungen im Leben eines Menschen haben. 

Durch die Auseinandersetzung mit dem persönlichen Bindungsstil, kann Verständnis für die eigenen unbewussten Reaktionen entstehen und nach und nach Veränderung im Beziehungserleben geschehen.

 

frühkindliche Bindung 

Viele Menschen stellen fest, dass sie in Beziehungen immer wieder an bestimmte Typen geraten bzw., dass sich ähnliche Beziehungsdynamiken wiederholen.

Diese Erfahrungsmuster können sich auch in anderen zwischenmenschlichen Kontexten zeigen - beispielsweise im Job oder in Freundschaften. 

 

Nicht selten leiden Menschen unter diesen spannungsreichen Beziehungen und fragen sich: "Warum gerate ich immer an diese ... Typen?" oder: "Warum lande ich im Job immer in dieser Rolle?"

 

Wir alle wurden von unseren zwischenmenschlichen Erfahrungen in unserem Leben geprägt. Besonders intensiv ist diese Prägung in der Kindheit. Unsere Ursprungsfamilie - wie auch immer sie ausgesehen haben mag - ist die erste Schablone für Beziehungsleben, die wir ganz automatisch zunächst als unser Bild vom Familienleben annehmen und tief abspeichern. 

Wir werden stark geprägt vom Umgang unserer Bezugspersonen in unserer Kindheit untereinander. 

Wie war der Umgang mit Nähe und Distanz? Wie wurde mit Emotionen umgegangen? Was waren die Werte der Familie? Was war besonders wichtig? (Gehorsam, Leistung, Außenwirkung)

 

Jeder Mensch entwickelt in seiner Kindheit automatisch Strategien, um mit seiner familiären Situation zurecht zu kommen. 

Das kann unter schwierigen Umständen bedeuten, dass wir uns als möglichst unabhängig von anderen Menschen konzipieren oder aber es allen recht machen wollen und sehr an den Bedürfnissen anderer orientiert sind.

 

Warum sich in Beziehungen bestimmte Verhaltensmuster wiederholen

Oftmals haben wir ein Bild vor Augen, wie wir als Mutter oder Vater sein wollen, wenn es so weit ist. 

Nicht selten kommt es dann recht anders als zuvor ausgemalt. 

 

Der entspannte, zugewandte und liebevolle Mensch, der wir als Mutter, Vater oder in unserer Partnerschaft sein wollten, wird immer wieder durch eine gestresste und unausgeglichene Version unserer Selbst ersetzt. 

 

Manchmal ertappen wir uns sogar in Verhaltensweisen, die uns an unsere eigenen Eltern erinnern – obwohl wir doch nie so werden wollten.

 

Erziehungsratgeber geben uns Anleitung zum Umgang mit kindlichen Emotionen. 

Doch was sich so logisch anhört, ist in der Belastungssituation mit kreischendem Kind im Supermarkt plötzlich wie vergessen. 

Das altbekannte Muster läuft wieder ab...

 

Wenn wir uns dann getriggert und unbeherrscht erleben, kann das auch noch Schuld- und Schamgefühle wecken. 

Wir fühlen uns dann als Mutter oder Vater unzulänglich. Dabei gibt es doch so viele Anleitungen, wie man es richtig gut machen kann - das Elternsein. 

 

Läuft dieses Muster über lange Zeit wiederholt ab, dann kann eine große Diskrepanz zwischen Wunschbild und gefühlter Realität entstehen. Das kann zu großer Belastung und zusätzlichem Stress führen.

 

Was können wir in solchen Situationen tun, um aus dieser Dynamik auszusteigen?

 

Zunächst einmal ist es wichtig anzuerkennen, dass bereits das Erkennen eines belastenden Musters der erste Schritt zur Veränderung ist. 

 

Sich mit diesen Mustern auseinanderzusetzen, kann ein wertvoller Schritt für das eigene Wohlbefinden und das Zusammenleben in der Familie sein.

 

Dabei ist es hilfreich zunächst Verständnis für uns selbst zu entwickeln. 

Eltern stehen oft unter hohen Belastungen: 

Viele Bedürfnisse wie Schlaf!, Essen, Erholung, Zeit für sich und die Partnerschaft werden immer wieder übergangen. Dabei versuchen die meisten Eltern gleichzeitig ihr Bestes für ihre Kinder zu geben. 

 

Dadurch sinkt unsere Stresstoleranz automatisch.

Hier ist es hilfreich vor allem die elterlichen Grundbedürfnisse wieder in den Fokus zu rücken. Wie können Ressourcen gestärkt und andere genutzt werden? 

 

Gibt es die Möglichkeit in bestimmten Situationen Hilfe anzunehmen? Partner schlafen abwechselnd, Nachbarn wechseln sich mit kochen ab, Babysitter übernehmen einige Zeitfenster...

 

Manchmal können Verhaltensweisen unserer Kinder oder Partner alte emotionale Erfahrungen berühren und starke Gefühle auslösen. Dann werden häufig alte emotionale Erfahrungen und erlernte Reaktionsmuster aktiviert.

 

Viele dieser ungeliebten Verhaltensweisen haben uns einstmals als Schutzstrategien in unserer Kindheit gedient. 

 

Dies erst einmal anzuerkennen und auch wertzuschätzen kann bereits entlastend wirken. Damals war es notwendig so zu handeln. Heute können wir Beziehungsführung neu erlernen. 

 

Wichtig ist hierbei nicht zu viel auf einmal zu wollen, sondern zunächst in eine wohlwollende und beobachtende Haltung sich selbst gegenüber zu kommen. Beobachten, Erkennen, Verstehen und Akzeptieren sind die ersten Schritte zur inneren Freundschaft mit sich selbst.

 

Ist die eigene Belastung hoch, kann eine therapeutische Begleitung dabei unterstützen, frühere Erfahrungen zu verstehen und deren Einfluss auf heutige Beziehungen und das Elternsein zu bearbeiten.

 

Elternsein und Schuldgefühle

Viele Menschen kennen die Vorwurfshaltung den eigenen Eltern gegenüber und erleben später in der eigenen Elternschaft selbst Schuldgefühle im Bezug auf ihre Kinder.

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